Balkonkraftwerk in der Mietwohnung: Was Mieter wissen müssen
Balkonkraftwerk als Mieter: Dein Recht auf Solarstrom
Du wohnst zur Miete und möchtest mit einem Balkonkraftwerk deinen eigenen Strom erzeugen? Seit 2024 haben Mieter in Deutschland ein gesetzliches Recht auf die Installation einer Mini-Solaranlage. Doch ganz ohne Regeln geht es nicht. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Rechte du als Mieter hast, wie du deinen Vermieter informierst und worauf du bei der Montage in einer Mietwohnung achten solltest.
Die Rechtslage seit 2024: Mieter dürfen Balkonkraftwerke installieren
Mit der Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) im Rahmen des Solarpakets I wurde die Installation von Balkonkraftwerken als sogenannte privilegierte Maßnahme in das Mietrecht aufgenommen (§ 554 BGB). Das bedeutet konkret:
- Mieter haben einen Anspruch auf Zustimmung des Vermieters zur Installation eines Balkonkraftwerks
- Der Vermieter darf die Zustimmung nur aus schwerwiegenden Gründen verweigern
- Die gleiche Regelung gilt auch im Wohnungseigentumsrecht (WEG) für Eigentümergemeinschaften
Wann darf der Vermieter ablehnen?
Der Vermieter kann die Zustimmung nur verweigern, wenn gewichtige Gründe dagegen sprechen, zum Beispiel:
- Die Bausubstanz würde beschädigt (z. B. durch notwendige Bohrungen in die Fassade)
- Die Statik des Balkons ist für die zusätzliche Last nicht ausgelegt
- Das Erscheinungsbild eines denkmalgeschützten Gebäudes wäre beeinträchtigt
- Sicherheitsbedenken, die sachlich begründet sind
In der Praxis werden die meisten Balkonkraftwerke mit Klemm- oder Hakensystemen montiert, die keine Bohrungen erfordern und rückstandslos entfernt werden können. Damit fällt der häufigste Ablehnungsgrund in den meisten Fällen weg.
So informierst du deinen Vermieter richtig
Auch wenn du ein gesetzliches Recht auf dein Balkonkraftwerk hast, empfehlen wir, den Vermieter vorab schriftlich zu informieren. Ein freundlicher, sachlicher Ton hilft dabei, Konflikte zu vermeiden.
Was in dein Schreiben gehört
- Welches Balkonkraftwerk du installieren möchtest (Hersteller, Modell, Leistung)
- Wo genau die Montage erfolgen soll
- Welche Befestigungsmethode du verwendest (z. B. Klemmen, keine Bohrungen)
- Hinweis auf die gesetzliche Grundlage (§ 554 BGB)
- Angebot, das System beim Auszug wieder abzubauen
- Fotos oder Skizzen der geplanten Installation
Musterformulierung
Sehr geehrte/r [Vermieter], hiermit möchte ich Sie darüber informieren, dass ich an meinem Balkon ein Steckersolargerät (Balkonkraftwerk) installieren möchte. Es handelt sich um [Modell], das mit Klemmen am Balkongeländer befestigt wird. Bohrungen oder bauliche Veränderungen sind nicht erforderlich. Gemäß § 554 BGB habe ich als Mieter Anspruch auf Ihre Zustimmung. Beim Auszug werde ich das System rückstandslos entfernen. Bitte bestätigen Sie den Erhalt dieser Information.
Tipp: Setze dem Vermieter eine angemessene Frist zur Rückmeldung (z. B. drei Wochen). Reagiert er nicht, gilt die Zustimmung als erteilt – so zumindest die gängige Rechtsauffassung.
Montage in der Mietwohnung: Praktische Tipps
Die richtige Befestigungsmethode
Für Mietwohnungen sind Befestigungssysteme ideal, die ohne Bohren auskommen und sich rückstandslos entfernen lassen:
- Balkongeländer-Haken: Werden über das Geländer gehängt und verschraubt. Keine Beschädigung.
- Klemmhalterungen: Werden am Geländer festgeklemmt. Besonders stabil und einfach zu montieren.
- Aufständerungen: Für Balkone mit massiver Brüstung. Werden aufgestellt und ggf. mit Gewichten beschwert.
Komplettsysteme wie der priwatt priBalcony Duo oder die Yuma Balcony 820 werden oft mit passenden Halterungen geliefert, die speziell für die Mietwohnungsmontage konzipiert sind.
Kabel sauber verlegen
Verlege das Anschlusskabel ordentlich und ohne Stolpergefahr. Nutze Kabelkanäle, um das Kabel entlang der Wand oder des Geländers zu führen. Das Kabel sollte durch ein angekipptes Fenster oder eine Balkontür ins Innere geführt werden – oder besser noch direkt über eine Außensteckdose angeschlossen werden.
Steckdose auf dem Balkon
Wenn dein Balkon eine Außensteckdose hat, ist die Installation besonders einfach. Eine normale Schuko-Steckdose reicht aus. Falls keine Steckdose vorhanden ist, kannst du das Kabel durch das Fenster in eine Innensteckdose führen – das ist erlaubt, aber weniger elegant.
Besondere Situationen für Mieter
WG oder Untermiete
Wenn du zur Untermiete wohnst, brauchst du die Zustimmung deines Hauptmieters (der wiederum den Vermieter informieren muss). In einer WG solltet ihr euch einigen, wer das Balkonkraftwerk beim Auszug mitnimmt.
Denkmalgeschütztes Gebäude
Bei denkmalgeschützten Gebäuden kann der Vermieter die Installation tatsächlich ablehnen, wenn das äußere Erscheinungsbild beeinträchtigt wird. Hier helfen unter Umständen Module in speziellen Farben (z. B. vollschwarz) oder eine Aufstellung im Garten bzw. auf der nicht einsehbaren Gebäudeseite.
Eigentumswohnung mit Gemeinschaft
Wohnst du in einer Eigentumswohnung mit einer Eigentümergemeinschaft (WEG), gelten ähnliche Regeln. Seit 2024 ist die Installation eines Balkonkraftwerks auch im WEG als privilegierte Maßnahme verankert. Die Eigentümerversammlung muss zustimmen, darf die Zustimmung aber nur aus wichtigen Gründen verweigern.
Welches Balkonkraftwerk eignet sich für Mietwohnungen?
Für Mieter sind folgende Eigenschaften besonders wichtig:
- Einfache Montage ohne Bohren – damit keine Schäden an der Mietsache entstehen
- Komplettset mit Halterung – spart die Suche nach passenden Halterungen
- Kompakte Maße – besonders bei kleinen Balkonen relevant
- Leichtes Gewicht – erleichtert Montage und späteren Abbau
Unsere Empfehlungen für Mietwohnungen:
Der priwatt priBalcony Duo ist ein durchdachtes Komplettpaket, das speziell für Balkone konzipiert wurde. priwatt bietet verschiedene Halterungsvarianten an und unterstützt auch bei der Anmeldung.
Das Solarway 880W Komplettset überzeugt mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Die bifazialen Module erzeugen bis zu 30 % mehr Strom als herkömmliche Module und der 800W-Wechselrichter lässt sich bequem per App steuern.
Die Yuma Balcony 820 ist eine weitere gute Option mit unkomplizierter Montage und fairem Preis.
Was passiert beim Auszug?
Ein Balkonkraftwerk ist dein Eigentum – du nimmst es beim Auszug mit. Die Befestigung ist so gestaltet, dass keine Spuren zurückbleiben. Denke daran:
- Balkonkraftwerk abbauen und Halterung entfernen
- Eventuelle Kabelkanäle entfernen
- Abmeldung im Marktstammdatenregister oder Adressänderung, wenn du es an deiner neuen Wohnung wieder installierst
- Falls der Nachmieter das System übernehmen möchte, könnt ihr einen Kaufpreis vereinbaren
Fazit
Als Mieter hast du seit 2024 ein gesetzlich verankertes Recht auf ein Balkonkraftwerk. Die Installation ist auch in einer Mietwohnung unkompliziert, wenn du auf bohrfreie Befestigungssysteme setzt und deinen Vermieter rechtzeitig informierst. Wähle ein Komplettset, das speziell für die Balkonmontage ausgelegt ist, verlege die Kabel sauber – und schon produzierst du deinen eigenen Strom. Falls dein Vermieter Bedenken äußert, hast du mit § 554 BGB ein starkes Argument auf deiner Seite.